Burnout – eine Modediagnose

Burnout. Heutzutage scheint jeder zu wissen, was dieses Wort bedeutet. Fast jeder kennt jemanden der jemanden kennt, der Burnout hat.

Doch in Wirklichkeit ist das ganze gar nicht so klar. Diese Störung findet sich nicht einmal in den gültigen Diagnosebüchern von Psychologen und Psychiatern. Und obwohl sich Wissenschaftler über dieses Phänomen nicht einig sind, scheint trotzdem jeder ein mehr oder weniger klares Bild darüber zu haben, was Burnout ist. Zumindest in der deutschsprachigen Kultur, denn nur hier wird es als „Quasi-Ersatzdiagnose“ verwendet.

Doch was ist ein „Burnout“ überhaupt und wie äussert sich so etwas?

Wenn Menschen Belastungen, beispielsweise am Arbeitsplatz, ausgesetzt sind, reagieren sie darauf mit Stressreaktionen. Ohne Regeneration (erholsamer Schlaf, bewusstes Abschalten) nach diesen Reaktionen, kann es bei Belastungen, die über längere Zeit anhalten, zu chronischen Stressreaktionen kommen und diese resultieren dann in körperlichen, aber auch psychischen Krankheiten/Störungen.

Ein Burnout äussert sich über drei verschiedene Dimensionen

  • Emotionale Erschöpfung. Die betroffene Person fühlt sich müde, erschöpft und kann sich auch in der Freizeit nicht mehr richtig entspannen. Oft kommen Kopf- und Rückenschmerzen, aber auch Magen-Darm-Symptome hinzu.
  • Zynismus/Distanzierung. Die Arbeit, die früher einmal Spass gemacht hat, wird abgewertet. Man fühlt sich frustriert und distanziert sich von der Arbeit.
  • Verringerte Arbeitsleistung. Bei der Arbeit kann man sich nicht mehr richtig konzentrieren, ist unzufrieden. Die Leistung nimmt stetig ab.

(nach der Operationalisierung von Maslach Burnout Inventory, 1993) 

Warum ist Burnout dann keine Diagnose?

Die oben genannten Symptome sind alle unspezifisch. Das heisst, es gibt andere Krankheiten, die durch ähnliche Beschwerden charakterisiert sind. Keines zeichnet speziell ein Burnout aus. Ausserdem fehlt es an aussagekräftigen Studien zu dem Thema.

Vor und Nachteile

Nun stellt sich die Frage, warum dieser Begriff dann so verbreitet ist und scheinbar so viele Leute unter dieser „Krankheit“ leiden…

Wenn man hört, dass jemand ein Burnout hat, denkt man sofort daran, dass die betroffene Person dann womöglich einen sehr anspruchsvollen Job innehatte und dort grosser Belastung ausgesetzt war. Der Grund für die Probleme liegt also ausserhalb der Person. Und genau das fällt den Menschen stets einfacher, als zu sagen, dass sie selbst „nicht klar kommen“. Die Selbstkonfrontation, beispielsweise depressiv zu sein, wird somit verhindert. Und was ist mit den Leuten, die nicht Manager einer grossen Firma oder gar Politiker sind? Dürfen die dann kein Burnout haben, nur weil sie scheinbar nicht so einen „wichtigen“ Job haben?

Einen Vorteil gibt es allerdings, dass so viele Menschen heutzutage ein Bild über die offiziell nicht anerkannte „Krankheit“ haben. Psychische Probleme – insbesondere im Bezug auf die Arbeit – werden anerkannt und ernstgenommen. Betroffenen fällt es somit leichter, Probleme anzusprechen und sich Hilfe zu suchen.

 

Zum Schluss möchte ich aber noch einmal betonen, dass Burnout als Auslöser von anderen Erkrankungen trotzdem durchaus ernst zu nehmen ist! Ständige Belastungen – nicht nur bei der Arbeit – können über kurz oder lang zu körperlichen und/oder psychischen Problemen führen.

 

Habt ihr eigene Erfahrungen mit diesem Thema oder kennt jemanden, der unter Burnout leidet? Ich bin gespannt über eure Kommentare ↓

 

 

 

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