Mobbing – meine Erfahrungen

Mobbing ist ein grosses Thema. Sowohl bei Erwachsenen, als auch bei Kindern. Und auch ich gehöre zu denen, die damit Erfahrungen sammeln musste.

Neues Land – neue Schule

Der Umzug in ein neues Land bedeutete für mich damals den Wechsel an eine neue Schule. Es war schwer genug, meine alten Freunde zurückzulassen und so weit weg zu ziehen. Doch den Anschluss hier zu finden war noch viel schwerer. Du bist neu, anders, Aussenseiter. Alle kennen sich seit Kindertagen… und dann kommst du.

Oft wurde ich ausgeschlossen, im Sportunterricht als letzte gewählt. Niemand wollte etwas mit mir zu tun haben. Sie haben sich lustig gemacht über meine Figur oder meine Kleidung. Ich wurde als Streber bezeichnet, nur weil ich meine Hausaufgaben machte und Spass an der Schule hatte. Ich fing an an mir selbst zu zweifeln und fühlte mich einsam und hilflos. Am liebsten wäre ich unsichtbar gewesen, damit ich den anderen keinen Grund gebe, wieder neue dumme Witze über mich zu reissen.

Natürlich entwickelten sich nach einiger Zeit dann doch vereinzelte Freundschaften, doch die wirkliche „Erlösung“ kam dann erst mit dem Wechsel ans Gymnasium. Da hier Schüler aus verschiedenen Dörfern zusammen kommen, wurden die Karten grundlegend neu gemischt. Und vor allem waren hier endlich Leute, die ebenfalls Spass an der Schule hatten und wussten, für was sie lernen.

Mittlerweile kann ich das Gute aus diesen Zeiten ziehen. Ich habe gelernt alleine vorwärts zu kommen und mich nicht von anderen verunsichern zu lassen. Die Erfahrungen haben mich am Ende stärker gemacht!

Aus eigener Erfahrung und aus meinem Studium weiss ich, was Mobbing bei Menschen für Schaden anrichten kann. Und darüber sind sich die Täter meist überhaupt nicht im Klaren…

Warum mobben Menschen?

Mobbing fühlt sich gut an. Täter fühlen sich dabei stark, machtvoll und stärken damit das eigene Selbstwertgefühl. Oft bilden sich ganze Gruppen die gegen einen Einzelnen hetzen. Die Gruppe fühlt sich gestärkt indem sie sich bewusst von jemandem abgrenzen und erhöhen so ihr Gruppengefühl. Wir gegen dich. Das Opfer verbindet – genauso wie ein gemeinsames Hobby verbinden kann.

Häufig werden Opfer selbst zu Tätern. Die eigenen Erfahrungen mit Erniedrigungen – sei es in der Schule oder zu Hause – halten offenbar nicht davon ab, andere herunter zu machen. Und an dieser Stelle muss ich selbst ehrlich sein. Auch ich bin dazu fähig, denn es gab eine Zeit, in der ich endlich etwas Anschluss gefunden hatte. Ich hatte das Gefühl dazu zu gehören, zu Leuten, die mich vorher niedergemacht hatten. Und es fühlte sich gut an, dazuzugehören. Doch schon bald suchte sich „meine“ Gruppe ein neues Opfer, eine neue Aussenseiterin. Und ich war dabei, hab mitgemacht. Eher im Hintergrund, aber doch habe ich mich nicht aktiv dagegen gesträubt. Endlich war nicht ich die Zielscheibe, sondern jemand anderes…

Darüber denke ich heute noch häufig nach. Ich bin alles andere als stolz darauf… Menschen können so grausam zueinander sein. Und damit meine ich jeden. Du, ich und alle anderen.

Wir sollten öfter darüber nachdenken, was wir tun. Muss es wirklich sein, dass wir andere herabsetzen, um uns selbst besser zu fühlen? Können wir nicht einfach danach streben, selbst besser zu werden, ganz unabhängig von anderen? Heute besser sein als gestern. Und der Massstab bist du selbst – niemand sonst. ♥

 

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich? Ich freue mich über eure Geschichten! ↓

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